Echo der Erinnerung

Ist kein Anfang.
Und auch kein Ende.

Sie ist eine Verschiebung dazwischen,
die schon da ist, bevor der Moment
wahrgenommen wird.

Und genau das zeigt,
was Licht zurück lässt.

Emotion kann einfach als „Energie in Bewegung“ beschrieben werden.

 

Heute kennen und benennen wir vieles als Emotion. Da gibt es Freude, Angst, Trauer, Liebe, Skepsis, und und und. Du kennst bestimmt noch sehr viele mehr.

Es sind sauber benannte Gefühle, die wie Farben in einem großen Kasten voller unterschiedlicher Buntstifte geordnet wurden und in den unterschiedlichsten Tönen und deren Nuancen definiert wurden. Im klassischen Verständnis wird ein Gefühl oder eine Emotion oft erst dann bewusst wahrgenommen, wenn der Kopf ihm einen Namen gegeben hat und dann bewegt sie etwas in uns.

Doch was geschieht in dir tatsächlich, bevor du diese „Energie in Bewegung“ bewusst wahrnimmst?

 

Vielleicht beginnt jede tiefgreifende Emotion schon viel früher.

 

Vielleicht bedeutet Emotion nicht nur körperliches oder atmosphärisches Gefühl. Sondern sie ist diese kleine Energie, die etwas in uns bereits verschiebt, bevor unser Kopf sie benennt.

Vielleicht ist Emotion eine zarte Verschiebung zwischen dem Danach und dem Davor als ein leises, fast unbemerktes Dazwischen.

Wie ein stetig langsam werdender Gedanke.

Ein Atemzug, der plötzlicher viel tiefer geht als jeder zuvor.

Oder ein Heimweh, ohne den Ort benennen zu können.

 

Nicht jede Emotion möchte laut sein.
Nicht jede Emotion möchte beschrieben werden.

Doch jede Emotion möchte wahr sein.

 

Deshalb beginnt jede Emotion nicht als Gefühl, sondern als Verschiebung.

Es sind diese nur geahnten Verschiebungen.
Noch ohne Namen.
Ohne Etikett.
So leise, dass erst die Stille sie hörbar macht.

Sie erscheinen nur für einen Augenblick — wie ein Lichtstreif auf Wasser. Kaum greifbar, kaum sichtbar, und doch vorhanden.
Und während du ihn noch nicht einmal richtig wahrgenommen hast, hat sich bereits alles verändert, was darunter liegt.

Andere Verschiebungen berühren etwas Unsichtbares in dir.
Etwas, das erinnert, bevor es verstanden wird.
Etwas, das deinen Blick langsamer werden lässt. Bis auch in dir das Bedürfnis entsteht, langsamer zu werden — und die Welt um dich herum ihre Eile verliert.

 

Von manchen dieser Verschiebungen bleibt nur ein Nachhall zurück. Eine kaum spürbare Bewegung in deinem Inneren.

Vielleicht steht das „E“ dann nicht mehr für Energie.
Sondern für ein Echo, für eine Erinnerung oder für ein Erwachen, das dich dann leise in Bewegung setzt.

Und plötzlich entsteht eine neue Essenz:

Emotion ist das Echo einer Verschiebung,
die zuerst im Unsichtbaren begann
und dich dann in Bewegung bringt.

Wie das Licht, dass schon unterwegs war, bevor es dir zeigt, was es dir sagen möchte und etwas beleuchtet.

 

 

Stelle dir jetzt vor, wie die Welt um dich herum ihre Hektik verliert. Genau so, als hätte die Zeit beschlossen, für diesen einen Atemzug nicht weiterzulaufen.

 

Welche verborgenen Bewegungen spürst du, bevor die erkennbare Emotion einen Namen von dir bekommt?