Gedanke der Natur
Mein Herz hat für einen Moment
Form angenommen.
Nicht um festzuhalten,
sondern um zu geben.
Und ich erinnere mich,
wie schön Wachstum sein kann.
Behutsam. Weich. Ohne Eile.
Und für einen Augenblick
erinnert sich auch mein Herz.
Die Natur denkt nicht in Worten wie wir.
Sie formt ihre Gedanken einzig aus dem vorhandenen Licht, den unterschiedlichen Winden und der Zeit, die sie benötigt.
So war ich mit meinem Gedankengang eines Gefühls der „Unzufriedenheit“ unterwegs und wollte schauen, welches Motiv mich dazu anspricht. Doch die Seele und die Natur haben ihr eigenen wahren Gedanken. Wenn mein Kopf denkt, heißt es nicht, dass es das Gefühl ist, was wirklich in mir herrscht.
Es ist – wie so oft, das Licht, was mir zeigt, wo mein Gefühl und dann mein Blick hinging. So sah ich, wie die Natur mir einen Notenschlüssel für den Beginn einer Sinfonie aus Licht & Grün zeigte. Eine so sanfte Sinfonie, wie sie nur die Natur schreiben kann.
Doch noch vor dem zweiten Takt (nach dem ersten Bild) und einer kleinen, kaum wahrnehmbaren, tänzerischen Bewegung zeigte sich der wahre Grund des Motives.
Zuerst dachte ich an loslassen. Doch das war es nicht. Der wahre Gedanke den die Natur mir zeigte, war ein anderer.
Mit offenen Armen liebt die Natur nicht nur das Große, Laute oder Besondere.
Sie liebt das Ganze. Sie liebt Alles!
Ein zartes Blatt, das sich leise entrollt.
Ein fruchtbarer Samen, der geduldig wartet.
Ein Tropfen, der seinen im bestimmten Weg findet.
Alles entsteht – lautlos. Von selbst. Immer. Im Vertrauen.
Während wir Menschen so oft nach Antworten suchen, genügt der Natur oft ein einziger stiller Impuls. Aus ihm wächst ein Trieb, eine Blüte oder es wird ein ganzer Wald.
Vielleicht sind ihre Gedanken und das daraus entstehende Handeln deshalb so beständig, weil sie niemandem überzeugen müssen. Sie brauchen nichts beweisen. Sie folgen einfach ihrer eigenen Richtung. Im Vertrauen. Ohne sich zu zerdenken.
Und darin liegt eine Erinnerung für uns alle:
Nicht jeder Gedanke muss sofort ausgesprochen werden. Nicht jeder Gedanke im Kopf ist wahr. Manche brauchen Dunkelheit. Manche brauchen Licht. Und manche brauchen einfach nur die ihm entsprechende Geduld.
Wie ein Blatt in der richtigen Perspektive und im ersten Licht mir zeigte.