Für eine Woche, in der wir
weglassen – egal was!
Weniger ist mehr – und noch weniger ist dann Mut.
In einer für mich heute sehr lauten und bunten Welt, die nur noch nach Aufmerksamkeit – wer kann was besser als jemand anders, wer ist schräger und so weiter, frage ich mich, wo oder besser wann wir etwas weglassen wollen? Z.B. auf der Ebene der 5 Sinne: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen. Einfach mal wenig(er) SEHEN; es in der STILLE aushalten; mal nicht die Nase VOLL haben oder den Mund zu VOLL nehmen. Und zu Letzt mal nichts Materielles anfassen zu müssen.
Versuche doch mal auf jeder Ebene etwas wegzulassen. Was fällt Dir da sofort ein?
Ich gebe Dir kleine Impulse, die Du in der Natur sofort ausprobieren kannst. Vorausgesetzt Du begibst Dich in sie, egal welches Wetter gerade ist.:
- Sehen: schaue, welche kleinen, unscheinbaren Dinge Du unmittelbar um Dich wahrnehmen kannst, wenn Du nicht nach den Dingen schaust, die grell und bunt sind.
- Hören: Lausche an einem beliebigen Ort in der Natur. Was flüstert sie Dir zu?
- Riechen: Wenn Deine Nase frei ist, rieche an dem, was Du entdeckt hast und bringe es mit etwas in Verbindung, was Du kennst.
- Schmecken: Du brauchst nichts Essen, was Du in der Natur findest und nicht kennst bzw. wenn es nicht essbar ist. Öffne einfach Deinen Mund und schmecke mal die Luft, die um Dich herum ist.
- Fühlen: Fasse das an, was Dich anspricht. Was spürst Du, wie fühlt es sich an?
Sei Achtsam in der Natur und beschädige nichts – die Natur wird es Dir Danken.
Schreibe gerne Deine Erkenntnisse in die Kommentare. Ich freue mich auf den Austausch mit Dir!
Pareidolie – Achtsame Zweisamkeit
So viele Blätter liegen jetzt schon ‒ Anfang des Herbstes (Mitte Oktober) – auf dem Boden. Alles das, was die Bäume im Frühjahr heranwuchsen ließen, damit es im Sommer u.a. viel Schatten gab, wird nun schon wieder losgelassen.
Unzählige Blätter säumen in unterschiedlichen Farbtönen den Weg. Ein einzigartiges Blatt fällt mir in dem ganzen Wirrwarr sofort auf. Es ist ein vielfarbiges Ahornblatt, welches trotz bedecktem Himmel herausstrahlt. Ich hebe es auf, um mich mit ihm zusammen einer kleinen Achtsamkeitsübung zu widmen.
Auf der nächsten Parkbank nehmen wir beide Platz. Sein Platz ist links neben mir.
Zur Ruhe kommen – 1 Minute lang. Nur die Augen schließen und meinem Ein- und Ausatmen folgen. Der leichte Herbstwind lässt die Blätter in den Bäumen rascheln.
Ich atme weiter ein und aus. Ja – das macht es leichter. Es wird leichter.
Ich nehme wahr, wie Blätter durch den Wind säuselnd herabschweben und leicht knisternd auf der bunten Decke des Herbstes liegen bleiben. Ob meine Minute rum war, ich weiß es nicht. Meine Augen öffnen sich von allein und ich nehme das vom Wind in Ruhe gelassene, immer noch neben mir liegende Blatt in die Hand und schaue es mir jetzt genau an.
Seine Oberfläche fühlt sich noch leicht samtig an, wie eine kleine Schutzschicht, die es vor dem unaufhaltsamen Vertrocknen bewahren möchte. Die Unterseite ist uneben und rauer.
Von seinem inneren Stielende, für mich energetisch der zentralste Ort des Blattes, gehen 5 kräftige Adern ab. 5 Stück, wie wir Finger haben. Von diesen Hauptader wiederum zweigen immer wieder weitere Adern links und rechts ab, um an den Blattenden zu enden oder sich in weitere Adern aufzuteilen. Sie scheinen sich auf dem Blatt aufzulösen oder es berühren sich doch einige leicht und ganz vorsichtig. Es wirkt so fein. Ich kann es gar nicht richtig erkennen. Auch nicht, als ich es gegen den Himmel ins Helle halte. Diese Adern erinnern mich an meine Lebenslinien meiner Hände, wo es mir auch scheint, dass sie sich einige auch nur einen Hauchlang berühren.
Seine Färbung ist so besonders. Um den Stielmittelpunkt hat es noch einiges seines grünen Chlorophylls erhalten können. Dann gibt es schon gelbe und rote Bereiche. Dazwischen die unendliche Vielfalt der Herbstfarben als Potpourri in einem Blatt. Gesprenkelt, gepunktet ineinander verlaufend oder in vielfältigen Farbnuancen, geteilt durch weiße Adern des Blattkreislaufsystem. Die ersten Spitzen haben sich bereits für das trockene Herbstbraun entschieden.
Seine Form ist auch nicht mehr glatt, sondern ähnelt der von Wellen, die vom Meer herkommend an den Kaimauern einer Hafenstadt sacht zurückgeworfen werden und sich mit den nachfolgenden am Platz rumtummeln. Ironie des Blattschicksal, dass das ihm fehlende Wasser als Metapher nun zu seiner formbestimmenden Beschreibung wird.
Der untere Teil des Stieles endet in einer halbrunden Schale. Sie sieht wie das perfekte Ende eines Steckplatzes aus, an dem das Blatt bis vor einer kurzen Weile noch felsenfest mit dem Ast des Baumes verbunden war, um die notwendigen Energien für sein grün aufzunehmen.
Es riecht nach Herbst: leicht feucht und zart modrig.
Auf der Rückseite treten die 5 großen Hauptadern und die anderen vielen Nebenadern besonders gut in Erscheinung. Klar, kräftig, dreidimensional und energieweitergebend bis zu den Enden. Sie sind die elastischen Stabilisatoren des Blattes. Sie sind das Netzwerk, welches den leichten und dünnen Blatt-Mantel – elastisch genug bei Wind – in seiner Form halten. So ungefähr wie die Maste die Segel eines Schiffes. Jetzt verstehe ich auch die vorhin gefühlte Rauheit.
Dann wendet sich das Blatt und ich erkenne sie jetzt sofort. Die mich immer wieder beindruckende, phantasieantreibende Pareidolie, die mich Dinge in Dingen sehen lässt, die in einer anderen Wirklichkeit gar nicht da sind.
Ein pausbäckiger, verhörnter und mit weit offenen Schwingen mir zuwinkender Rochen der lächelnd nun an mir vorbeizieht. Was für eine wunderschöne Achtsame Zweisamkeit.
